Fehler sind nicht so schlimm, wenn man das Gute trotzdem sehen kann

Wir leben in einer fehlerorientierten Welt, in der die Fehler etwas wiegen, das Gute aber als normal gilt und keine Erwähnung findet. Nur wenn wir das Gute auch etwas wiegen lassen, befinden wir uns wieder im Gleichgewicht. Das Gute zu sehen, kann man üben. Ein erster Schritt ist, das Gute zu benennen, wo wir es schon sehen können. Beispielsweise wenn wir uns überlegen, worin uns ein Mensch, der uns sympathisch ist, ein Vorbild sein kann. Das fällt uns leicht. Anspruchsvoller aber damit auch wirkungsvoller ist die Aufgabe, sich vorzustellen und für sich selbst auszusprechen, worin uns ein Mensch, mit dem wir Schwierigkeiten haben, uns ein Vorbild sein kann oder was wir von ihm lernen können. Und genau hierin liegt einer der Schlüssel, die die Encouraging-Methode bietet. Nur durch das Tun können eingefahrene Denk- und damit Verhaltensmuster geändert werden. Wer sich darauf einlässt, erlebt eine wohltuende Wirkung: Ärger löst sich suckzessive auf, ja man bekommt ihn erst gar nicht mehr. Die anderen gehen uns nicht mehr auf die Nerven, weil wir sie so stehen lassen können, wie sie sind. Wir erleben dadurch weniger Stress.

Ich kann durch meine veränderte Sichtweise mein Verhalten beeinflussen. Das heißt,  dass ich bei mir beginnen muss. Wenn ich mein Denken und Handeln verändere, dann reagieren die anderen dadurch positiv auf mich. Das ganze ist ein Kreislauf, den jeder in Gang setzen und dessen positive Wirkung er erleben kann.

Die folgende Geschichte verdeutlicht das nocheinmal:

Spiegelung

„Warum ist hier jeder glücklich außer mir?“
„Weil sie gelernt haben, überall Güte und Schönheit zu sehen“, sagte der Meister.
„Warum sehe ich nicht überall Güte und Schönheit?“
„Weil du draußen nicht etwas sehen kannst, was du in deinem Inneren nicht siehst.“

 

aus: Anthony de Mello: „Eine Minute Weisheit“, Herder-Verlag