Kinder loben: Was sagt die Wissenschaft dazu?

Wenn etwas gut gemacht wurde, wird gern ein Lob als Belohnung vergeben. Das ist einfach und sorgt beim Empfänger für ein gutes Gefühl. Jedoch gibt es eine Form des Lobes, die bei Kindern zu Verhaltensweisen führen kann, die nicht beabsichtigt sind.

Li Zhao, Gail Heyman, Lulu Chen und Kang Lee untersuchten, ob das Loben von Kindern für ihre Intelligenz (eine Fähigkeit) dazu führen kann, andere zu täuschen. Andere Bedingungen in der Untersuchung waren, ein leistungsorientiertes Lob auszusprechen („Das hast du dieses Mal aber gut gemacht“) oder gar nicht zu loben.

In dieser Studie spielten drei- bis fünfjährige Kinder ein Ratespiel, bei dem der Versuchsleiter eine Karte hinter einem Sichtschutz mit einer Zahl zwischen 3 und 9 versteckt hielt. Den Kindern wurde wiederholt gesagt, dass sie nicht äugeln sollen und sie mussten raten, ob die Zahl auf der Karte des Versuchsleiters kleiner oder größer als 6 war. Die Kinder wurden in drei Gruppen eingeteilt und spielten das Spiel unter den Versuchsbedingungen: ein fähigkeitsbezogenes Lob („Du bist schlau“), ein leistungsorientiertes Lob („Das hast du gut gemacht“) oder gar kein Lob zu erhalten.

Ein paar Runden wurden zum Erlernen der Regeln gespielt. Für den Versuch wurden weitere sechs Runden gespielt, wobei den Kindern ein Preis versprochen wurde, wenn sie dabei 3 richtige Ergebnisse erzielen würden. Der Versuch wurde so manipuliert, dass sie zwei richtige Ergebnisse während der ersten fünf Runden erzielten. Vor dem entscheidenden sechsten Durchgang verließ der Versuchsleiter den Raum.

Die Ergebnisse zeigten, dass alle Kinder unter der Bedingung des Lobs für die Fähigkeit öfter schummelten, als wenn sie für das Ergebnis gelobt wurden. Jungen mogelten etwas häufiger als Mädchen. Interessant auch, dass es zwischen den Altersklassen der 3- und 5-jährigen kaum Unterschiede gab. Bereits Dreijährige können also zwischen einem fähigkeits- oder leistungsorientierten Lob unterscheiden.

Es wird angenommen, dass das Loben der Fähigkeit die Kinder zum Schummeln motiviert haben könnte. Durch das Schummeln erzielten sie ein besseres Ergebnis, womit sie die positive Bewertung ihrer Eigenschaft, bzw. ihres Rufs, schlau zu sein, aufrechtzuerhalten versuchten.

Diese Studie legt nahe, vorsichtig mit der Art des vergebenen Lobes zu sein. Belobte Fähigkeiten können dazu führen, dass Kinder ihren Status behalten wollen. Als Ergebnis wird der einfache Weg des Betrugs zum Aufrechterhalten des Status attraktiv.

Das Ergebnis unterstützt die Sichtweise der Individualpsychologie in Bezug auf das Lob für die Fähigkeit. Auch der Unterschied zwischen einem Lob für die Fähigkeit und einem Lob für die Leistung ist aus Sicht der Individualpsychologie nachvollziehbar, jedoch sieht sie ausschließlich leistungsbezogenes Lob als kritisch an. Hier wären weitere Studien interessant, die den Unterschied zwischen einem leistungsbezogenem Lob und einer prozessorientierten Ermutigung („Du hast dich wirklich angestrengt“) untersuchen.

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Der Unterschied zwischen Lob und Ermutigung

Literatur

Zhao, L., Heyman, G.D., Chen, L., & Lee, K. (2017). Praising young children for being smart promotes cheating. Psychological Science, 28(12), 1868-1870.

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