Smileys, Sternchen & Co. – Warum Belohnungen kontraproduktiv sind

In Grundschulen und Kitas werden sehr häufig verschiedene Belohnungssysteme eingesetzt. Da werden regelmäßig Sternchen oder Smileys vergeben, wenn etwas gut gemacht wurde und manchmal auch wieder abgenommen, wenn die Lehrperson mit dem Verhalten des Kindes nicht einverstanden war. Oder es gibt eine Smiley-Ampel; hierbei werden die Kinder je nach Verhalten auf Grün, Gelb oder Rot gesetzt.

Was soll damit erreicht werden? Dass die Kinder kooperieren. Dass sie etwas lernen. Dass sie leise sind, usw. Das passiert in den meisten Fällen auch. Aber: Was passiert, wenn man die Sternchen und Herzchen und Smileys nicht mehr verteilt? Dann ändert sich das Verhalten der Kinder zum Negativen, denn sie waren ja daran gewöhnt, stets eine Belohnung zu erhalten. Wenn sie keine Belohnung mehr bekommen, haben sie auch keine Motivation etwas zu tun.

In der Wissenschaft gibt es hierzu zahlreiche Studien. Eine grundlegende Untersuchung von Lepper, Greene und Nisbett (1973) zeigte, dass Kinder, welche für die Tätigkeit des Zeichnens eine Belohnung erhielten, später weniger zeichneten, als jene, die dafür nicht belohnt wurden [1]. Dieser sogenannte „Korrumpierungseffekt“ tritt auf, wenn eine intrinsische Motivation (z.B. gerne zeichnen) verdrängt wird durch eine extrinsische Motivation (z.B. Belohnung fürs Zeichnen). Fällt dann die Belohnung weg, lässt auch das zuerst gerne und freiwillig gezeigte Verhalten nach (es wird weniger oder nicht mehr gezeichnet). Die Belohnung verdrängt die intrinsische Motivation.

Daraus leitete Daryl Bem die Selbstwahrnehmungstheorie ab [2]. Wenn, wie im zuvor genannten Beispiel, die Kinder für die ursprünglich gerne ausgeübte Tätigkeit des Malens eine Belohnung erhalten, bewerten sie das Malen neu. Sie schließen aus der Belohnung, dass sie doch nicht so gerne malen. Sie haben bereits gelernt, dass sie für Dinge, die sie nicht gerne tun, belohnt werden. Also muss mit dem Malen irgendwas nicht stimmen, wenn sie jetzt dafür belohnt werden. Ihre Einstellung zu dieser Tätigkeit hat sich geändert, sie wurde korrumpiert.

Was also tun? Wichtig ist es, Kindern zu vermitteln, dass es eine Menge Dinge zu tun gibt, die getan werden müssen, weil sie zum Alltag und zum Leben dazugehören. Sie sollen dabei die Chance erhalten, festzustellen, was sie von sich aus gerne tun. Wir Erwachsenen müssen ihnen vermitteln, dass wir auch einige Sachen nicht gerne machen, sie aber trotzdem machen müssen. Wir sind Kindern hierin ein Vorbild, wie wir diese Dinge angehen und wieviel Durchhaltevermögen wir dabei zeigen. Sie schauen sich das nämlich ab.

Und wenn man trotzdem einmal belohnen will, sollte man nicht angekündigt und unregelmäßig belohnen, denn dann tritt der Korrumpierungseffekt weniger häufig auf [3].

Kinder sollen ein gutes Selbstgefühl bekommen, in sich hineinhorchen lernen. Wie fühle ich mich, bevor ich eine Aufgabe erledigen soll, wie fühle ich mich, wenn ich sie getan habe? Ich frage das bei verschiedensten Tätigkeiten ab, die sie sich nicht zutrauen oder wozu sie gerade keine Lust haben. Und fast immer lachen sie hinterher, oder heben den Daumen oder ihre Augen strahlen. Auf dieses positive Gefühl kommt es doch an, das ist doch bei uns Erwachsenen nicht anders.

Wir müssen Kindern zeigen, wie das Leben geht. Wenn wir authentisch und ganz bei uns sind, können wir ihnen die größte Hilfe sein.

 

Literatur:

[1] Lepper M. R., Greene D. & Nisbett, R. E. (1973). Undermining childrens intrinsic interest with extrinsic reward: A test of the „overjustification“ hypothesis. Journal of Personality and Social Psychology, 28(1), 129-137.

[2] Bem, D. J. (1967). Self-perception. An alternative interpretation of cognitive dissonance phenomena. Psychological Review, 74, 536 – 537.

[3] Deci, E. L. & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. New York: Plenum.

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